RosaHeide
Bundeswehr abschaffen!!!
Rosa Heide - Rink Point 2 - 1.6.2007

Kernaussagen und Selbstverständnis

Das Bombodrom ist ein wichtiger Fokus, um nicht nur die zunehmend militarisierte Innen- und Außenpolitik immer wieder theoretisch und praktisch zu kritisieren, sondern auch um die Inbetriebnahme wichtiger Infrastruktur zur Kriegsvorbereitung und -führung tatsächlich zu behindern. Nicht mehr und nicht weniger haben wir – das Bündnis ‚Rosa Heide’ – uns vorgenommen. Sollten wir uns an dem Punkt tatsächlich durchsetzen - mit "uns" ist die gesamte Vielfalt gemeint - könnte sich dies rhizomartig ausweiten und vielen anderen Mut machen.

Unsere Kernaussage
Als Kriegs- und MilitärgegnerInnen sind wir gegen die Bundeswehr, gegen alle Zusammenschlüsse von EU-Truppen, gegen sämtliche Koalitionen der Willigen und gegen die Nato. Denn Militär ist Teil des Problems, als dessen Lösung es präsentiert wird. Militärbündnisse bedeuten Militäreinsätze, und Militäreinsätze bedeuten Krieg.

Einen Ort praktischer Kriegsvorbereitung will die Bundeswehrführung auf dem Bombodrom einrichten. Die besondere militärische Bedeutung ist kein Geheimnis: ungelenkte Bomben aus dem Tiefflug, selbstständig zielsuchende Raketen aus großer Höhe, das Fein-Zusammenspiel zwischen Luftwaffe und Bodentruppen bei der Steuerung von modernen Lenkwaffen und sogar den sogenannten Schulterwurf, der für den Einsatz einer Atombombe nötig ist – all das will die Bundeswehrführung dort üben lassen. Aber auch machtpolitisch ist der Bombenabwurfplatz wichtig: Wer andere Bündnispartner zum Bomben zu sich „einladen“ kann, steht gut da und gibt eher den Ton an bei den gemeinsamen Kriegsunternehmungen.

Kleine Geschichte der Rosa Heide
Mit Camp und Aktionen knüpfen wir – das Aktionsbündnis ‚Rosa Heide’ – an die bunten und massiven Proteste des vergangenen Sommers an: 10.000e demonstrierten 2007 gegen das Gipfeltreffen der G8 und ihre kriegerische Globalisierung. Schon damals haben wir als Auftakt der Gipfelproteste den geplanten Bombenabwurfplatz symbolisch für eine Nacht besiedelt.

Auch das Camp auf dem Bombodromgelände im darauf folgenden Sommer 2008 war ein großer Erfolg. Unsere angekündigten drei Tage Besetzung konnten wir trotz Räumungsandrohung durchhalten. Es gab gute Aktionen und inhaltlich sehr gute Veranstaltungen und Diskussionen. In einer gemeinsamen Demonstration gegen Genfeldversuche wurde der Zusammenhang von Hunger, Krieg und Gentechnologie präsent gemacht. Praktische Abrüstung und einfache Erkundungsgänge auf dem Gelände konnten nebeneinander stehen, ohne sich zu blockieren – insgesamt ein wichtiges antimilitaristisches Zeichen für heutige Verhältnisse.

„Wir können gewinnen“, könnte Fazit und Motto für die Zukunft sei – aber nur, wenn wir mit der notwendigen Ernsthaftigkeit weitermachen. Und damit ein deutliches Signal in Richtung Politik und Bundeswehr geben: „Wir gehen im Ernstfall drauf – auf den Bombenabwurfplatz!“ (Der doppelte Sinn es ersten Teilsatzes ist uns bewußt.). Wenn sie tatsächlich anfangen, vor unseren Haustüren Krieg zu üben, dann wird kollektive Entschlossenheit für uns am wichtigsten sein, die rein zahlenmäßige Masse vielleicht nur zweitrangig. (link Kampagne ‚Wir gehen rein’)

Es gab Austausch unter verschiedenen antimilitaristischen Initiativen aus diversen Regionen bundesweit. Wir diskutierten und arbeiteten als autonome und friedensbewegte Gruppierungen zusammen, eine neue Entwicklung für den regionalen Widerstand. Hier stellt sich eine weitere Aufgabe für eine ernsthafte Bombodrom-Widerstandsbewegung: Wie gehen wir respektvoll und sensibel mit den Bedürfnissen und Anliegen der örtlichen Bevölkerung um, ohne uns selbst (unsere Problemsicht, politischen Einschätzungen und praktischen Konsequenzen) zu verleugnen?

Und solange die Bundesregierung ihre Kriegspläne nicht aufgibt, machen wir weiter. Im Falle Bombodrom heißt das: Solange die Kriegsvorbereiter die Pläne für den Bombenabwurfplatz nicht aufgeben, werden wir sie bei ihrer Umsetzung stören. Wir wollen gemeinsam zeigen, dass wir mit der Militarisierung von Politik und Gesellschaft und mit einem Kriegsübungsgelände wie dem Bombodrom überhaupt nicht einverstanden sind. Daher werden wir auch in Zukunft gemeinsam Aktionen vorbereiten. Die Zielpyramide bleibt rosa: als Zeichen der Ablehnung von Militär und Patriarchat.

Wir haben dabei die Zukunft im Blick: 2009 will die Nato ihren 60sten Geburtstag feiern. Die Nato ist seit Jahren das aggressivste Militärbündnis der Welt. Daher laufen schon heute die Vorbereitungen für Proteste gegen die Feierlichkeiten beim Nato-Gipfel in Straßburg. Wir werden dabei sein, wenn die globalisierungskritische und die Friedensbewegung die Feierstimmung zu stören versuchen: Wer weltweit Kriege anzettelt, hat weder ein Recht auf auf friedliches Feiern noch auf ungestörtes Üben auf dem Bombenabwurfplatz.

Vernetzung mit anderen
In der Region um den geplanten Bombenabwurfplatz laufen die verschiedensten Motivationen gegen die Kriegsübungspläne der Bundeswehr zusammen (Freier Himmel, zu Pro Heide, Bomben Nein - Wir gehen rein!). Manchmal macht das unsere Vorbereitungen anstrengend. Die BI Freie Heide zum Camp auf, sie setzt ihre Schwerpunkte anders. Mitglieder der Freien Heide sind am Camp als Individuen beteiligt. Die Kampagne „Bomben nein – wir gehen rein“ (link) und die neugegründete „Friedensinitiative Kyritz-Ruppiner Heide“ (link) arbeiten eng mit uns zusammen und waren in der Vergangenheit schon bei den Camps dabei. Nicht zuletzt ist auch die unberechenbare, gefährliche, nicht ernstzunehmende, militarisiert-antimilitaristische Clownsarmee wichtiger Teil...

Die juristische Ebene des Widerstands gegen den Bombenabwurf hat die Inbetriebnahme jahrelang verzögert. Vielleicht geht das auch noch eine Weile so weiter: Eine Entscheidung ist nicht vor 2009 zu erwarten, da nach der letzten Entscheidung pro Bundeswehr jetzt die Bombodrom-Gegner wieder bis Herbst 2008 ihre Einspruchsmöglichkeit haben (link auf eine Seite, die aktuell den jeweiligen juristischen Stand zusammenfasst). Erfahrungsgemäß wird aber über Kriegsübungsplätze (wie auch über Atomanlagen) nicht vor Gericht sondern politisch entschieden. Daher fangen wir schon heute an, auch den politischen Widerstand in der Praxis zu üben und zu organisieren.

Und letztlich machen uns unsere Unterschiedlichkeiten sogar widerstandsfähiger. Denn die unterschiedlichsten Aktionsformen – Klagen gegen die Bundeswehr sind eine, unser Aktionscamp eine andere – bringen letztlich ein gemeinsames Ziel zum Ausdruck: Kein Krieg, keine Militarisierung, kein Bombodrom, nicht hier und auch nicht anderswo.

Gewalt Krieg ist Gewalt. Armut, Hunger, Landvertreibung ist Gewalt. Umweltverschmutzung/-zerstörung und die damit verbundenen globalen Auswirkungen auf diejenigen, die nicht ausweichen oder sich anpassen können, ist Gewalt. Die Patentierung von Nahrungsmitteln und Lebewesen ist Gewalt. Daher machen wir auch mit bei Aktionen gegen Felder mit gen-manipulierten Pflanzen in der Region ums Bombodrom, z.B. gemeinsam mit dem Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik. Der Zusammenhang mit Militär und Krieg liegt auf der Hand: Wo bäuerliche Landwirtschaft durch Saatgutmultis zerstört wird, dort steht meist schon das Militär bereit: Um Revolten zu ersticken, Menschen von ihrem Land zu vertreiben und zur Lohnarbeit in den Städten und in der Agro-Industrie zu zwingen. Wer sich gegen derartige Gewalt wehrt, hat erst einmal unsere Sympathie. Denn auch wir wehren uns gegen die Gewalt eines Militärapparates, der direkt vor unserer Haustür Krieg üben will.

Dabei hat die Vergangenheit gezeigt: vielseitiger und entschlossener Widerstand lohnt sich. Nicht nur im karibischen Vieques, wo die Inselbevölkerung 2003 nach 60 Jahren die Schließung eines US-Bombodroms erreicht hat. Sondern auch in der BRD, wo in den 1970ern das Atomkraftwerksprojekt in Whyl am Kaiserstuhl und in den 1980ern die atomare Wiederaufarbeitungsanlage im oberbayerischen Wackersdorf verhindert wurden. Dabei geht es nicht nur um juristische Auseinandersetzung und physische Blockaden, sondern auch um einen dauerhaften Imageschaden, den die Bundeswehr – so ein Offizier im Interview – immer wieder gegen den militärischen Nutzen eines Bombodroms abwägt.

Ziviler Ungehorsam/Gewaltfrage
Wenn andere ihre Gewalt massenhaft organisieren und üben wollen, nämlich im Militär, dann leisten wir Zivilen Ungehorsam. D.h. wir gehorchen z.B. nicht, wenn jemand uns verbieten will, das Bombodrom-Gelände zu betreten. Wir haben Erfahrung mit Aktionen Zivilen Ungehorsams und wissen, dass es gar nicht so leicht ist, eine Gruppe aufzuhalten, die mit ruhiger/fröhlicher Entschlossenheit unterwegs ist. Wenn sich uns Menschen in den Weg stellen, dann werden wir um sie herum gehen. Das Gelände ist riesig und hat eine lange Grenze ohne Zaun, die nur mit enorm großem Aufwand/großer Gewalt hermetisch abzuriegeln und zu bewachen ist. Wir haben nicht die Absicht der Eskalation. Sollte die Polizei die Gewalt eskalieren, so werden wir darauf nicht einsteigen, sondern die Zusammenhänge zwischen Luftkriegsübungen, militärischer Gewalt im Ausland und Polizeigewalt im Innern aufzeigen. Militär sichert nie Frieden. Militär zementiert immer nur Verhältnisse von Herrschaft und Ausbeutung.

In unseren Erfahrungen mit gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen stellt sich also auch für uns durchaus die Gewaltfrage. Wir stellen die Gewaltfrage sogar selbst: Was soll der Scheiß, was soll diese ganze Militär- und Polizeigewalt? Schon klar: Dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen so günstig bleiben wie sie sind - für die Reichen und Mächtigen, für Patriarchat, kapitalistische Produktionsweise und rassistische Weltordnung. Auch klar: In der Gewaltdiskussion, wie sie uns manchmal aufgenötigt wird, geht es eigentlich um etwas ganz anderes. Es geht um die Spaltung der Bewegung derjenigen, die sich gegen Gewalt und Herrschaft wehren. Die gibt’s aber mit uns nicht: Widerstand bleibt bunt, vielseitig und unberechenbar. Und wer unbedingt irgendwelche Distanzierungen hören will – kann er oder sie haben:

Wir distanzieren uns
von deutschen Bombern und Spezialtruppen in Afghanistan;
von den Bauplänen für das Ehrenmal der Bundeswehr mit seinem Heldenverehrungsunfug;
von europäischen Militärinterventionen zur Ressourcensicherung wie im Kongo;
von weltweiter militärischer Einmischung unter dem Vorwand der humanitären Intervention;
von der Rekrutierung zum Morden in den Jobcentern der Arbeitsagentur;
von Folter in weltweiten geheimen Militär-Gefangenenlagern;
vom feierlichen Einschwören aufs Morden bei den Bundeswehrgelöbnissen;
von deutscher Kriegsmarine am Horn von Afrika und vor Israel und Libanon;
von Bundeswehrinlandseinsätzen gegen die eigene Bevölkerung wie beim G8 und beim Castor;
von militarisierten Außengrenzen der EU, an denen täglich dutzende Menschen krepieren...

(Die Reihe ließe sich fast beliebig fortführen. Sie führt allerdings nicht zur Distanzierung von einer kleinen Aktion, mit der es einigen Leuten z.B. gelungen ist, Kriegsgerät unbenutzbar zu machen.)


Termine

  • 05. bis 08.11.2010
    Castor-Transport aus Frankreich in das Wendland
    Hier gibt es Infos dazu ...
  • Sonntag, 07.11.2010
    208. Friedensweg der BI OFFENe HEIDe
    14 Uhr in Dolle, am Denkmal
    Hier gibt es Infos dazu ...
  • Und jeden Mittwoch um 16 Uhr im Cafe Hinterhof (Neuruppin): Treffen der FreieHeideClowns.

Weblinks


weitere Links



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